„Churfürstlich Sächsischer Husar 1806“

Gemälde von Hanns von Mangoldt (1798-1865) aus dem Jahr 1859

Im April 2013 konnte aus Mitteln des Fördervereins Militärhistorisches Museum e.V. dieses wichtige Zeugnis sächsischer Militärgeschichte erworben werden. Hanns Julius August von Mangoldt (Geithain 1798 – 1865 Dresden) gehörte wie Theodor von Götz und Georg von Boddien zu den „Maler-Offizieren“ der Königliche Sächsischen Armee. Neben seiner Karriere als militärischer Erzieher des Prinzen und späteren Königs Albert (1845-1849) sowie als Kommandeur der Reiterei (ab 1849) beschäftigte er sich auch künstlerisch mit der sächsischen Kavallerie.

Nach Mangoldts Tod 1865 kamen einige seiner kleinformatigen Gemälde in die Bildersammlung des damaligen Hauptmanns Ludwig Georg von Wurmb, die zum Grundstock der heutigen Museumssammlung gehört. Mit der aktuellen Neuerwerbung konnte fast 150 Jahre später ein weiteres der selten im Kunsthandel zu findenden Mangoldt-Gemälde für das Militärhistorische Museum gesichert werden.

Der Künstler

Hanns von Mangoldts militärische Laufbahn war vorgeprägt durch seine Familie. Einen Teil seiner Kindheit verbrachte von Mangoldt in den verschiedenen Garnisonsstädten, in denen sein Vater, der spätere Generalmajor der Königlich Sächsischen Kavallerie, stationiert war. 1811 wurde er in das Pagenhaus in Dresden aufgenommen. Die Ausbildung in der Erziehungsanstalt lief zu dieser Zeit parallel zum Kadettencorps und dürfte ein erster Schritt in Richtung einer militärischen Karriere gewesen sein. In den Befreiungskriegen gegen Napoleon – 1813-1815 – trat von Mangoldt zunächst dem Banner der Freiwilligen Sachsen als reitender Jäger bei. Während dieser Zeit war er an einer Blockade von Mainz beteiligt.

Abb.: Portrait Hanns Julius August von Mangoldt, von Alfred Reuter, 1897, Öl auf Leinwand, 65x71,5cm, (Foto: MHM).

Die Mitglieder des Banners rekrutierten sich aus Freiwilligen. Nach der Völkerschlacht bei Leipzig hatte der Aufruf zur Gründung des Banners in Teilen der sächsischen Bevölkerung Begeisterung ausgelöst, doch aktiv eingesetzt wurde dieses Freikorps kaum. Für Mangoldt blieb die Zeit beim Banner der freiwilligen Sachsen sein einziger Kriegseinsatz.

Zurück in Sachsen wurde er unter anderem in seinem Geburtsort Geithain stationiert. Dort war er ab 1814 Sous-Lieutenant (Unterleutnant, unterster Offiziersdienstgrad) im Regiment der Prinz-Clemens-Ulanen. An der Militärakademie war es ihm möglich neben seiner militärischen auch seine wissenschaftliche Ausbildung zu vervollständigen. 1832 wurde Mangoldt im Garde-Reiter-Regiment zum Rittmeister zweiter Klasse befördert. Ab 1841 war er als Adjutant im Generalkommandostab tätig. 1842 erfolgte dort die Beförderung zum Major. Eine besonders verantwortungsvolle Aufgabe erhielt Mangoldt 1845. Vier Jahre lang war er der militärische Erzieher des Prinzen Albert. In dieser Zeit begleitete er den Prinzen auf die Universität in Bonn. Als Mangoldts Dienst bei Albert 1849 endete, wurde er innerhalb kürzester Zeit zum Generalmajor und 1851 zum Generalleutnant befördert. In dieser Position verblieb er bis zu seinem Ruhestand im Jahr 1860. Am 14. Februar 1865 starb er nach schwerer Krankheit in Dresden.

Das Leben und Wirken Mangoldts war geprägt von seiner militärischen Karriere. Seine Persönlichkeit wies aber noch weitere Facetten auf. Ein ausgeprägtes Kunstverständnis war sicher ein Teil davon. Mitte der 1820er Jahre unternahm er längere Reisen nach Italien und Frankreich, beides Länder, die seit Jahrhunderten immer wieder Anstöße zur Entwicklung von neuen Kunstströmungen gegeben hatten. Seit ca. 1830/31 war Dresden das Standquartier Mangoldts. Ob er dort Gelegenheit und Muße hatte, sich die Gemäldesammlung, die bis 1856 im Johanneum untergebracht war, anzusehen, ist nicht überliefert – gut vorstellbar ist es jedoch. Im Nachruf des Künstlers, der in der Militärzeitschrift „Der Kamerad“ erschien, findet sich die Bemerkung, dass ihn die „effectreichen Schlachtenbilder der Vernet's, für die er sich wahrhaft begeisterte“, zur Malerei führten, „der er sich als Dilettant zwar, aber mit ausdauerndem Fleiße hingab“.

Abb.: Banner der Freiwilligen Sachsen: Jäger zu Pferd, von Walther Dietrich, um 1930, Aquarell, (Foto: MHM/Meier).

Das Gemälde

Das Gemälde von 1859 zeigt detailgetreu und lebendig einen kursächsischen Husaren mit seinem Pferd. Die abgebildete Uniformierung entspricht größtenteils der bekannten Überlieferung, zeigt aber auch Abweichungen. So ist der obere Abschnitt der Flügelmütze etwa nicht blau, sondern rot gemalt worden.

Eigenartig wirkt auf den heutigen Betrachter die Beinstellung des galoppierenden Pferdes. Damals war noch umstritten, wie die Bewegungen im Galopp tatsächlich abliefen. Viele Maler stellten, wie Mangoldt, Pferde im „fliegenden Galopp“ dar. Erst gut 20 Jahre später lieferte die Chronofotografie des Briten Eadweard Muybridge Erkenntnisse über Bewegungsabläufe, die dem menschlichen Auge bis dahin vorenthalten waren. So konnte bewiesen werden, dass es tatsächlich einen Moment gibt, in dem keines der Pferdebeine den Boden berührt. Doch anders als hier dargestellt, kommt es dazu, wenn sich die Beine unter dem Bauch des Pferdes befinden. Die Auswirkungen auf die bildenden Künste waren enorm. Doch 1859 ahnte man davon noch nichts und „fliegende Pferde“ bevölkerten die Kunst.

Text: Maria Migawa, studentische Mitarbeiterin im Sachgebiet Kunst

Quellen / Literatur:

  • Nekrolog, in: Der Kamerad, 11/1865, S. 84f.
  • Eugen A. Lisewski, Von der Arsenalsammlung zum Königlich Sächsischen Armeemuseum 1897 bis 1918, Dresden 1997.
  • Eugen A. Lisewski, Albert von Sachsen – ein Sachse, den sogar die Preußen mochten, in: Thomas Eugen Scheerer (Hg.), Albert von Sachsen. Kronprinz, Soldat, König, Dresden 2002, S. 29-38.
  • Karin Quaiser, Die Sammlung des Ludwig Georg von Wurmb – Ursprung des Kunstbestandes, in: Christian-Wilhelm von Prittwitz und Gaffron (Hg.), 100 Jahre Museum im Dresdner Arsenal (1897-1997). Eine Schrift zum Jubiläum, Dresden 1997, S. 195-201.
  • Max Barthold, Franz Verlohren (Hg.), Stammregister und Chronik der Kur- und Königlich Sächsischen Armee von 1670 bis zum Beginn des Zwanzigsten Jahrhunderts, Leipzig 1910, S. 350f.