Attentat auf Hitler. Stauffenberg und mehr

 

  • 12. Juli 2015 bis 13. September 2015
  • Garnisonmuseum Ludwigsburg, Asperger Straße 52, 71634 Ludwigsburg
  • www.garnisonmuseum-ludwigsburg.de
  • Eröffnung am 8. Juli 2015

Sein Name steht für den Widerstand gegen den Nationalsozialismus: Oberst i.G. Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Am 20. Juli 1944 verübte er im Führerhauptquartier „Wolfschanze“ ein Sprengstoffattentat auf Adolf Hitler. Doch der Diktator überlebte, der anschließende Umsturzversuch scheiterte und Stauffenberg bezahlte die mutige Tat mit seinem Leben – ebenso wie zahlreiche zivile und militärische Mitverschwörer, die in den folgenden Wochen und Monaten von der NS-Justiz zum Tode verurteilt und hingerichtet worden sind. Nur wenige ihrer Namen sind heute noch im öffentlichen Gedächtnis präsent.

2014 jährt sich der Attentats- und Staatsstreichversuch vom 20. Juli 1944 zum 70. Mal. Zu diesem Anlass erinnert das Militärhistorische Museum mit einer Kabinettausstellung an die Vorgeschichte dieses Ereignisses und stellt einen Teil jener Protagonisten vor, die gemeinsam mit Stauffenberg im Widerstand aktiv waren und die zum Teil bereits 1938/39 an konkreten Umsturzplänen arbeiteten. Deutlich wird dabei vor allem die Vielfalt der Personen und ihrer Funktionen im Widerstand, die für eine Umsturzvorbereitung unabdingbar waren.

Die Kurzporträts der Ausstellung werden von originalen Dokumenten und Objekten aus dem privaten Besitz der Widerstandskämpfer ergänzt. Sie wurden in den vergangenen Jahren in die Sammlung des Militärhistorischen Museums aufgenommen oder konnten als Leihgaben für die Sonderausstellung gewonnen werden. Einige dieser persönlichen Schriftstücke werden erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Gezeigt werden u.a. Briefe von Generaloberst Ludwig Beck über seinen Rücktritt im Oktober 1938, Aufzeichnungen von Generalmajor Hans Oster zu seinen Vernehmungen 1943 oder die letzten Notizen von Generalfeldmarschall Erwin von Witzleben vor seiner Hinrichtung im August 1944.

Neben der dokumentarischen Herangehensweise erlaubt die Ausstellung auch einen Blick auf den künstlerischen Umgang mit dem 20. Juli 1944. Es werden Radierungen des renommierten und streitbaren Künstlers Alfred Hrdlicka (1928-2009) gezeigt, der sich in seinem Schaffen konsequent gegen Krieg, Gewalt und Nationalsozialismus gewandt hat und der sich bereits 1974 mit dem Zyklus „Wie ein Totentanz“ intensiv mit den Ereignissen des 20. Juli 1944, den Protagonisten und ihren Motiven auseinandergesetzt hat.

Zudem bietet der 2004 entstandene Siebdruck „Heldenporträt. Claus Schenk Graf von Stauffenberg“ des Dresdner Künstlers Petrus Wandrey (1939-2012) verschiedenste Assoziations- und Interpretationsansätze und lädt zur weiteren Auseinandersetzung mit den Personen, den Ereignissen und der Rezeption des 20. Juli 1944 ein.

 

 

Das Heldenportrait

 

Foto: Petrus Wandrey, "Heldenporträt. Claus Schenk Graf von Stauffenberg", 2004

Das „Heldenporträt. Claus Schenk Graf von Stauffenberg“ des Dresdner Künstlers Petrus Wandrey (1939-2012) scheint Stauffenberg in einem groben Schwarzweißfotodruck als einsamen Helden vor einer blutroten Geschichte zu zeigen. Umrahmt von einem schwarzen oberen Balken und einem goldenen Grund verweist der Hintergrund auf die deutschen Nationalfarben. In der abgebildeten Pose diente Stauffenberg 1934 einem befreundeten Bildhauer als Modell für ein SA-Denkmal in Magdeburg. Stauffenberg schrieb seinem Bruder Berthold darüber: „Ich habe mich zwar mit meiner Verewigung ausgerechnet als S.A. Mann noch nicht ganz abgefunden, tröste mich aber damit, dass es für die Nazi weit härter ist als für mich.“

Die weltberühmten Engel von Raffaels Meisterwerk der Sixtinischen Madonna sind spiegelverkehrt dargestellt und schauen nachdenklich auf einen Stauffenberg mit engelhaften Flügeln, der wie eine Ikone die Madonna ersetzt hat. In der Hand tragen die Engel Fähnchen der Alliierten und wirken wie ein Verweis auf die von dem Mitverschwörer Generalmajor Henning von Tresckow überlieferte Mahnung zur Handlung:

„Das Attentat muß erfolgen, (...) denn es kommt nicht mehr auf den praktischen Zweck an, sondern darauf, daß die deutsche Widerstandsbewegung vor der Welt und vor der Geschichte unter Einsatz des Lebens den entscheidenden Wurf gewagt hat.“